Fake oder Fakt? Jennifer Weist im Gespräch zu Wahrheit, Antworten und Vertrauen im Netz

In den letzten Monaten hat sich mehr und mehr gezeigt, wie wichtig Vertrauen ist – beispielsweise in Fakten von Unternehmen, Marken und Organisationen. Vor allem wenn es darum geht, die Sicherheit und Gesundheit von uns und unseren Mitmenschen zu gewährleisten, ist es essenziell, dass wir den Informationen, die wir online finden, Vertrauen schenken können.

Tobias Dahm, Senior Vice President bei Yext, traf Jennifer Weist, TV-Moderatorin und Frontfrau der Band Jennifer Rostock, zum virtuellen Gespräch. Gemeinsam haben sie über ihre Erfahrungen und Haltung zu Wahrheit, Antworten und Vertrauen im Netz gesprochen.

Die Bedeutung von Vertrauen und Wahrheit im Netz

Um das Vertrauen in Online-Informationen ist es nicht gut bestellt: Laut einer Umfrage von Statista1 (Herbst 2019) vertrauen 69 % der Konsument*innen in Deutschland sozialen Netzwerken eher nicht. 71 % der Befragten sind außerdem der Meinung, dass sie zumindest manchmal auf Fehlinformationen bei Google stoßen.2

Jennifer Weist selbst prüft Artikel genau, bevor sie diese mit anderen teilt:

„Ich habe mir auf Social Media meine eigene Bubble gebaut – mit Leuten und Organisationen, denen ich vertraue“, sagt sie im Gespräch. Sie folge vor allem den Accounts, die sich sozial engagieren und Ungerechtigkeiten offen ansprechen. „Wenn dann ein bestimmtes Thema oder ein bestimmter Artikel fünf Mal ge-repostet wird, kann ich mir sicher sein, dass es von einer vertrauenswürdigen Quelle kommt. Natürlich mache ich auch einen Faktencheck und schaue, welche Informationen aufgeführt werden und ob diese stimmen können. Außerdem schaue ich mir die Bilder genau an und prüfe, ob Aussagen und Bilder zusammenpassen.“

Diese Gewissenhaftigkeit schafft Vertrauen bei ihren Fans und Followern. Außerdem ist es ihre Authentizität, die dafür sorgt, dass viele Menschen ihr zuhören. Jennifer verstellt sich nicht: „Die Marke ‚Jennifer Weist‘ ist für mich keine Marke, sondern: It’s me!“ erklärt sie und ergänzt, „Meine private Person hängt sehr stark mit meiner künstlerischen Person zusammen. Ich bin wer ich bin.“

Das eigene Privileg nutzen

Ihre hohe Reichweite – auf Instagram hat Jennifer derzeit mehr als 229.000 Follower – und ihre Bekanntheit nutzt sie unter anderem dafür, um Menschen für kontroverse Themen zu sensibilisieren und sich für die Rechte von Frauen und Minderheiten einzusetzen.

„Mir geht es wahnsinnig nahe, wenn Frauen bei gleicher Arbeitskraft trotzdem noch weniger verdienen. Wenn ein Polizist auf offener Straße in Amerika einen schwarzen Mann ermordet. Oder, dass in 60 Ländern Homosexualität noch strafbar ist. Ich verstehe nicht, dass es diese Ungerechtigkeiten heute noch gibt. Hier muss sich etwas ändern.“ Angefangen damit, dass wir diese Probleme konkret ansprechen, um dann etwas gegen sie unternehmen zu können. Das ist gar nicht so einfach, gibt Jennifer zu, denn es gehöre erst einmal einiges dazu zu verstehen, dass wir uns in einer privilegierten Position befinden – und dass wir oftmals unbewusst rassistisch oder diskriminierend sprechen oder handeln.

„Zunächst müssen wir verstehen, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt. Sowohl Rassismus als auch Frauenfeindlichkeit sind in unserer Gesellschaft strukturell verankert. Wenn wir das begreifen, können wir daran arbeiten dieses Verhalten dauerhaft zu ändern. Angefangen bei uns selbst.“

Jennifer Weist macht zudem darauf aufmerksam, dass vor allem weiße Menschen, die in Deutschland geboren wurden und vielleicht auch noch in der Mittelschicht aufgewachsen sind, verhältnismäßig privilegiert sind.

„Daher sollten vor allem Leute, die ihr Privileg sehen, es auch dafür nutzen, andere auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen. Ich sehe mich beispielsweise als Künstlerin besonders in der Verantwortung, weil ich einfach viele Leute erreiche. Meine Stories auf Social Media sehen sehr viele Menschen an – Menschen, die mir vertrauen und mir zuhören. Das bedeutet auch eine große Verantwortung – und dieser möchte ich gerecht werden.“

Genauso sieht Jennifer Unternehmen in der Pflicht, ihre Stellung und die Kraft ihrer Marke zu nutzen, um den Dialog voranzutreiben. Sie erklärt, dass Unternehmen – wie auch Künstler und Privatpersonen – sich aus Angst, dass sich ein klarer Standpunkt negativ auswirken könnte, oft lieber gar nicht erst positionieren. Dieses ‘gefällig sein’ kreidet sie jedoch an.

„Ich habe noch nie Wert darauf gelegt gefällig zu sein. Ich finde es ist viel besser, wenn man exakt für irgendwas steht.“

Chancengleichheit geht uns alle an

Einen klaren Standpunkt hat Jennifer beispielsweise auch, wenn es um Chancengleichheit in der Arbeitswelt geht: „Ich glaube, dass wir die Frauenquote letztendlich brauchen, um uns dahin zu bringen, wo wir schon seit Jahren sein sollten. Und das ist traurig, aber es ist leider so.“ Denn von allein würde sich vor allem bei den strukturellen Problemen in unserer Lebenswelt nichts ändern. „Wenn wir das einmal für eine bestimmte Zeit verankern würden, kämen mehr Frauen in Führungspositionen und könnten so auch viel mehr Frauen nachziehen.“

Gleichzeitig sagt sie, die Frauenquote sei nicht nur dazu da, um das Verhalten von Männern zu regulieren. Frauen hätten beigebracht bekommen, dass es nur immer eine Frau geben kann, die es weiter nach oben schafft – das sei natürlich falsch. „Wir müssen lernen, uns gegenseitig zu unterstützen“, sagt Jennifer und ergänzt, „Weil jede von uns ihre Stärken hat.” Und die gelte es auszuspielen.

Ähnlich sei es mit BPoC („Black and People of Colour“) – Unternehmen sollten einen Blick darauf werfen, wie viel Prozent der Mitarbeiter beispielsweise nicht weiß sind. Diversität ist hier ein wichtiges Schlüsselwort.

Man kann es nicht allen recht machen

Jennifer sagt, sie sei nicht da, um allen Menschen zu gefallen. Als Beispiel zieht sie die sozialen Medien heran: „Wenn man 100.000 Follower hat, dann gibt es 100.000 Meinungen. Und wenn du etwas sagst oder tust, dann wird es immer jemanden geben der es nicht verstehe oder gutheißt.“ Auch hier zeigt sich, wie wichtig Jennifer Authentizität ist. Denn sie erklärt: „Du kannst niemanden gerecht werden außer dir selbst – und das reicht auch vollkommen.“

Die gesamte Aufzeichnung des Gesprächs zwischen Jennifer Weist und Yext ist hier zu finden.

Quellen:
1https://de.statista.com/statistik/daten/studie/377228/umfrage/umfrage-in-deutschland-zum-vertrauen-in-soziale-netzwerke-im-internet/

2https://www.oplayo.com/wp-content/uploads/2020/04/How_Google_Fights_Disinformation.pdf

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